17.03.2020 – 29.05.2020

Schwingung

Adrian Bütikofer – Holzskulpturen

Als Künstler wagt sich Adrian Bütikofer an grosse, philosophische Fragen heran. Er formuliert diese nicht mit Worten, sondern findet dank seiner starken Vorstellungskraft und seines erstaunlichen handwerklichen Geschicks künstlerische Formen, um sich mit der seelisch-geistigen Dimension des Lebens zu befassen. Er lässt sich nicht von schnelllebigen, oberflächlichen Hypes auf dem Kunstmarkt beeinflussen, sondern fokussiert sein Œuvre auf wesentliche, allgemeingültige Daseinsprinzipien. Seine Werke sind zeitlos und aktuell, weil sie eine intuitive Verbindung zum Lebendigen herstellen.

In der bildenden Kunst wird Holz traditionellerweise für kompakte, statuarische, in der Regel auf einem Postament stehenden Skulpturen verwendet. Mittels Faltenwurfs, Körperdrehungen und Wechsel von Stand- und Spielbein vermochten Künstler früherer Epochen ihren aus Holz und Stein gehauenen Figuren innere und äussere Bewegtheit verleihen. Adrian Bütikofer geht einen Schritt weiter, indem er seinen Skulpturen nicht nur Dynamik verleiht, sondern er dem Holz seine Schwere nimmt. Er bearbeitet seinen Werkstoff, bis er die Struktur eines Gewebes hat. Kennzeichen seiner Skulpturen sind die durchbrochenen bzw. filetierten Flächenformen und die schwungvoll geführten, mit einer Oberflächenstruktur versehenen Linien im Raum. Bütikofers Skulpturen sind im Prinzip dreidimensionale, aus dem Holz gehauene Zeichnungen, die einen Energieverlauf beschreiben. Unter seiner Hand verwandelt sich Holz zu einem kaum wiedererkennbaren, geschmeidigen Werkstoff.

Die formschönen und zugleich tiefsinnigen Kunstwerke von Adrian Bütikofer haben eine wohltuende Wirkung. Sie entheben uns dem Alltag, um innezuhalten, um herauszufinden, wo wir im Leben stehen und was uns wirklich wichtig ist.

Lucia Angela Cavegn, Kunsthistorikerin, Winterthur