22.01.2026 – 28.02.2026

Chiara Fiorini

VARIOPINTO

In der Balance der Dinge

Chiara Fiorini künstlerische Praxis bewegt sich virtuos zwischen Materialien, Formen und Bedeutungen. Ob Holz, Kunststoff, Textilien oder Aluminium, ihre Werke entstehen nicht aus Überfluss, sondern aus bewusster Wahl. Jedes Material trägt eine eigene Oberfläche, Spannung, gar eine Vibration in sich. Es genügen oftmals zwei bis drei Materialien, um ein Werk zu tragen und seine Aussage umso deutlicher hervortreten zu lassen.

Ihre Malereien und Objekte oszillieren zwischen Kunst, Leben und Alltag. Geometrische Formen treffen auf organische Spuren, strenge Strukturen auf poetische Zufälle. In dieser Gegenüberstellung erzeugt Fiorini eine Spannung, welche ebenso höflich nach einer Balance fragt. Diese fragilen Berührungspunkte erinnern an den Betrachter an das alltägliche Ringen zwischen Ordnung und Intuition.

Die auf Alu-Dibond entstandene Serie entfaltet eine stille, konzentrierte Bildsprache, die sich an der Form des Haikus inspiriert. Wie die japanische Lyrik auf drei Zeilen arbeitet Fiorini mit Verdichtung: wenige Elemente, bewusst gesetzte Leeren, eine fast meditative Klarheit. Das robuste, kühl wirkende Alu-Dibond wird dabei zum Gegenpol zu den zarten, organischen Motiven, die über seine Oberfläche zu schweben scheinen. Kleine Steine, Blätter, Wasserlinien, architektonische Silhouetten. Alles ist reduziert auf das Wesentliche, und gerade dadurch umso eindringlicher.

Anlässlich ihres 70. Geburtstags zeigt Fiorini zudem siebzig kleinformatige Arbeiten in Aquarell und Mischtechnik. Diese poetischen Blätter besitzen grosse Ausdruckskraft auf engem Raum und wirken wie gedankliche Vorläufe zu ihren grossen Leinwänden. Konzentriert, leicht und voller Tiefe.

Die Arbeit L’objet de désir zeigt Gläser mit bemalten Tessiner Kastanien. Dieses Werk verbindet die Sinnlichkeit und Festlichkeit verführerisch. Das Objekt suggeriert den Weingenuss, während die Kastanien zugleich eine subtile Anspielung auf das weibliche Geschlechtsorgan tragen. Ein Werk, welches den Betrachter mit zwei menschlichen Ur-Begehren konfrontiert.

Fiorinis Arbeiten sind poetisch und klar, subtil und stark. Sie erinnern daran, dass Gleichgewicht nicht im Stillstand liegt, sondern im bewussten Spiel der Gegensätze.

Tania Di Brita

Biografie

Chiara Fiorini, 1956 in Acquarossa geboren, lebt und arbeitet in Zürich und im Tessin. Nach der Matura in Lugano studierte sie an der Universität Fribourg und absolvierte anschliessend künstlerische Ausbildungen an der Ecole d’art Martenot und der Ecole Nationale Supérieure des Beaux-Arts in Paris. Seit 1983 ist Zürich ihr Lebensmittelpunkt und kreatives Arbeitsfeld. Ihr Werk umfasst Malerei, Objekte und Installationen, geprägt von poetischen Verdichtungen und einer intuitiven Materialwahl, die Alltagsstoffe in überraschende Kunstwerke verwandelt.